Der Wertbeitrag der IT – So kommen Sie zu belastbaren Zahlen

IT Wertbeitrag

Immer wieder wird in Unternehmen diskutiert, welchen Wertbeitrag die IT zum Gesamtwert eines Unternehmens leistet. Häufig sind die getroffenen Aussagen eher qualitativ oder sie beschreiben den Wertebeitrag der IT Organisation. Doch wie lässt sich der finanzielle Wertbeitrag der IT ermitteln?

IT ist in Unternehmen sowie Organisationen heute unverzichtbarer Bestandteil geworden. Normalerweise ist der Anteil der IT Kosten an den Gesamtkosten des Unternehmens eher gering. Allerdings ist die Unternehmensabhängigkeit von der Funktionsfähigkeit, Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit der IT groß. Offen bleibt die Frage, welchen Wertbeitrag die IT zum Unternehmenserfolg beiträgt. Der Wertbeitrag der IT lässt sich oft nur schwer ermitteln. Diverse Veröffentlichungen bieten eine Vielzahl von Ansätzen, um den Wertbeitrag der IT bestmöglich zu messen und darzustellen.

Der langfristige Wertbeitrag der IT beeinflusst nicht nur das Tagesgeschäft, sondern bestimmt ganz generell auch die Rolle des CIO. Dazu ist ein ganzheitliches Prozess- und Business-Management gefragt, weniger ein rein, traditionelles IT-Management.

Mögliche Methoden zur Berechnung des Wertbeitrags der IT

Unternehmen müssen Gewinne erwirtschaften, um überlebensfähig zu sein. Bleibt nach allen Auszahlungen an die Kapitalgeber noch ein Teil des Gewinns übrig, wird dieser auch als Residualgewinn bzw. „Economic Value Added“ (EVA) bezeichnet. Um den Wertbeitrag der IT zu bestimmen, sind 4 Komponenten notwendig:

  • der durch IT erzielte Erlös (bei innerbetrieblicher Leistungsverrechnung der Verrechnungserlös – serviceorientierter Ansatz)
  • die IT-Kosten (Kosten der Leistungserstellung, nicht die Kosten der Leistungsverwendung)
  • der Kapitalbedarf der IT (das im Anlagevermögen der IT gebundene Kapital und das betriebsnotwendige Kapital der IT für den laufenden Betrieb)
  • die Renditeerwartung der Kapitalgeber

projektbasierter Wertbeitrag der IT

Die Einzeldaten von Projekten lassen sich nutzen, um einen Wertbeitrag der Gesamt-IT zu errechnen. Für die betrachteten Projekte herangezogen werden können:

  •  Nutzeffekte in der aktuellen Periode (bei aktuell laufenden Projekten kann der Periodenwertbeitrag negativ sein, denn üblicherweise zeigen Projekte in der Projektperiode noch keine Nutzeffekte)
  • IT-Kosten (inkl. Abschreibungen) in der aktuellen Periode
  • Restbuchwerte des Projektes in der Anlagenbuchhaltung

Jetzt werden über alle betrachteten Projekte die periodenspezifischen Größen aufaddiert und vereinfachend angenommen, dass die Projektperioden mit den Planungsperioden synchronisiert sind. In den aktuellen Kosten der IT müssen auch die Folgekosten früherer IT-Projekte enthalten sein. Haben die Kosten der betrachteten Projekte einen Anteil an den Gesamtkosten des Unternehmens, dann hat der von den betrachteten Projekten erzeugte Nutzen ebenfalls einen Anteil an dem von der IT insgesamt erzeugten Nutzen. Für den Wertbeitrag erhält man einen:

  • Schätzwert für den in der Periode erzeugten Nutzen
  • die IT-Kosten
  • den Wert des IT-Anlagevermögens

Daraus lässt sich der IT-Wertbeitrag ableiten. IT-fremder Aufwand muss dabei ebenso berücksichtigt werden(Folgekosten die nicht in der eigenen IT, sondern außerhalb der IT entstehen, Werte müssen dann dort herausgerechnet werden, Nutzungseffekte angepasst werden) wie IT-Anlagevermögen und interne IT-Projekte.

servicebasierter Wertbeitrag der IT

Ähnlich wie bei der projektbasierten Ermittlung müssen Leistungswert, Kosten und Kapitalkosten der IT ermittelt werden. Der Nutzen liegt in den Verrechnungserlösen. Dabei werden zur finanziellen Bewertung der erbrachten IT Leistungen die entsprechenden Marktpreise bzw. Marktpreisäquivalente herangezogen. Es müssen so genannte Transferpreise ermittelt werden, für die es etablierte und praxiserprobte Ansätze existieren.

Es wird angenommen, dass jeder IT-Service mit einem Marktpreisäquivalent bewertbar ist. Der Wert der IT-Leistung errechnet sich aus der Summe der Leistungsmengen, die man mit den Transferpreisen der einzelnen Leistungen errechnet. Bei den IT-Kosten greifen Sie auf die üblichen Betriebskosten einschließlich der (bilanziellen) Abschreibungen zurück. Die Kapitalkosten werden über die Restbuchwerte im Anlagevermögen ermittelt.

Wertbeitrag der IT in der Praxis

Beide Ansätze (projektbasierter und servicebasierter) nutzen den gleichen Berechnungsmechanismus, orientieren sich aber an verschiedenen Nutzenbegriffen. Der projektbasierte Ansatz berücksichtigt den für die Organisation insgesamt durch IT Einsatz erzielten Wertbeitrag. Der servicebasierte Ansatz bewertet nur den originär von der IT erzeugten Wertbeitrag.

Der servicebasierte Wertbeitrag bietet diverse Vorteile. Die finanzielle Bewertung der IT-Leistungen ist relativ gut objektiv bewertbar. Abgrenzungsprobleme wie beim projektbasierten Ansatz gibt es hier nicht. Der servicebasierte Ansatz hat große Analogien zum „Economic Value Added“ (EVA) auf Unternehmensebene. Der Wertbeitrag lässt sich servicespezifisch ermitteln mit Instrumenten der Kostenrechnung (Plan-Wertbeitrag, Soll-Wertbeitrag und Ist-Wertbeitrag).

In der Praxis kommt der projektbasierte Wertbeitrag der IT häufiger zum Einsatz, um den eigentlichen Wert von IT-Projekten zu ermitteln. Eine Ursache scheint in der Schwierigkeit des Denkens in Transferpreisen (servicebasierte Ansatz) zu liegen. Der Ansatz mit Barwerten und Nutzeffekten erscheint vielen Unternehmen praktikabler (projektbasierter Wertbeitrag). Der Wertbeitrag lässt sich modellhaft errechnen und die erforderlichen Methoden sind mit einfachen Tools wie zum Beispiel Tabellenkalkulation umsetzbar.

Der projektbasierte Ansatz wird gewählt, wenn die Projektinitiierung bereits gut formalisiert ist und aussagekräftige Dokumentationen existieren. Dabei muss die Methode für alle Beteiligten im Unternehmen klar erkennbar und nachvollziehbar sein. Der servicebasierte Ansatz wird genutzt, wenn eine IT Leistungsverechnung vorhanden ist und Mengendaten der Services verfügbar sind.

Beide Methoden beziehen sich auf den Residualgewinn der wertorientierten Unternehmensführung und übertragen das Konzept auf die IT. Für die projektbasierte Methode muss der Nutzeffekte von Projekten vollständig finanziell darstellbar sein. Für die servicebasierte Methode müssen alle IT Leistungen mit Marktpreisen oder Marktpreisäquivalenten bewertbar sein.

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