CMMI – So wenden Sie das Reifegradmodell richtig an

Das CMMI ist in Amerika bereits das am weitesten verbreitete Reifegradmodell in der Softwareentwicklung. CMM, der Vorgänger des heutigen CMMI, wurde 1991 vom Software Engineering Institute (SEI) präsentiert. Im Jahre 2002 erschien das Nachfolgemodell CMMI. Was ist CMMI und wie können Sie das Reifegradmodell anwenden?

Was ist CMMI (CMMI-DEV)?

Die Abkürzung CMMI (auch CMMI-DEV, Darstellung in Reifegraden) steht für Capability Maturity Model Integration. Dabei handelt es sich um ein Reifegradmodell für die System- und Softwareentwicklung sowie Capability Maturity Model (CMM) Nachfolger.

In den 1980zigern traten bei der Vergabe von Softwareprojekten regelmäßig Problemstellungen auf. Projekte lieferten zu spät, schlechte Qualität, unvollständige Funktionalität und sprengten regelmäßig den Budgetrahmen., Das amerikanische Verteidigungsministerium (Department of Defense, DoD), einer der größten Auftraggeber für Software, initiierte eine Untersuchung durch das Software Engineering Institute (SEI) für neue Lösungsansätze in der Softwareentwicklung. Als Ergebnis wurde 1991 das Capability Maturity Model (CMM) präsentiert, der Vorgänger des CMMI.

Die Philosophie auf der das CMMI basiert, ähnelt der ISO 9000. Das Reifegradmodell ist jedoch spezifisch ausgerichtet auf System- und Softwareentwicklung. Dadurch ist es nicht nur wesentlich konkreter, sondern unterstützt durch den stufenförmigen Aufbau über 5 Stufen eine kontinuierliche Verbesserung. Namhafte Unternehmen wie Siemens, Bosch, E-Plus, EDS und DB Systems setzen auf CMM bzw. CMMI.
CMMI kann in zwei verschiedenen Arten zum Einsatz kommen: in einer Darstellung mit Reifegraden oder in einer Darstellung mit Fähigkeitsgraden.

Darüber hinaus existieren drei Konstellationen, die das jeweilige Einsatzgebiet beschreiben:

  • for Development (CMMI-DEV) für die Software- und Systementwicklung
  • for Acquisition (CMMI-ACQ – für Beschaffung von Produkten und Leistungen)
  • for Services (CMMI-SVC – Erbringung von Dienstleistungen

Die so genannten Prozessgebiete (Process Areas, PA) bilden die wichtigsten Strukturelemente im CMMI. Ein Prozessgebiet fasst alle Anforderungen zu einem Thema zusammen, beispielsweise zu Projektplanung, Training, Ursachenanalyse oder Problemlösung.
Jedes Prozessgebiet legt Ziele fest, die erreicht werden sollen:

  • Spezifische Ziele mit Gültigkeit nur für das entsprechende Prozessgebiet sowie die darin enthaltenen speziellen Anforderungen
  • Generische Ziele umfassen prozessgebietsübergreifend alle Anforderungen die notwendig sind, um die spezifischen Ziele dauerhaft und effizient zu erreichen

Reifegrade (CMMI-DEV) erreichen

Im Rahmen einer stufenförmigen Darstellung umfasst CMMI fünf so genannte Reifegrade. Diesen Reifegraden werden ausgewählte Prozessgebiete (Key Process Areas) zugeordnet, die beispielsweise mit Hilfe von Zielen und Praktiken genauer definiert werden. Um einen nächsten Reifegrad zu erzielen, müssen alle Prozessgebiete des aktuellen Reifegrads und alle Prozessgebiete der niedrigeren Reifegrade erfüllt sein.

  • Reifegrad 1: Der Reifegrad 1 wird auch als „initial“ bezeichnet. Alle Prozesse sind ad hoc wenig oder überhaupt nicht definiert. Der Projekterfolg ist stark abhängig von einzelnen Kompetenzen und Mitarbeitern im Unternehmen.
  • Reifegrad 2: Der 2. Reifegrad gilt als „geführt – managed“, wenn das wesentliche Projektmanagement inklusive Zeitplan und Funktionalität von Projekten geplant ist. Das funktionsfähige Projektmanagement dient als Basis für weitere Verbesserungsprozesse. In diesem Reifegrad kann noch jedes Projekt weitgehend auf eigene, individuelle Prozesse setzen.
  • Reifegrad 3: Der Reifegrad 3 wird als „definiert – defined“ bezeichnet, wenn der Fokus von den einzelnen Projekten auf das Unternehmen als Ganzes von den Management-Aufgaben zu den Entwicklungs-Aktivitäten wechselt. Die Anforderungen in diesem Reifegrad richten sich darauf aus, einheitliche Prozesse für das gesamte Unternehmen einzuführen. Reifegrad 3 richtet sich weitestgehend an den Vorgaben der ISO 9001 zur System- oder Softwareentwicklung aus.
  • Reifegrad 4: Dieser Reifegrad gilt auch als „quantitativ geführt – quantitatively managed“, wenn das Unternehmen einheitliche Prozesse eingeführt hat, kann es zum Einsatz von wertvollen Metriken und Kennzahlen übergehen. Diese dienen als Grundlage für Entscheidungen zu Verbesserungsaktivitäten. Kennzahlen werden zwar bereits in niedrigeren Reifegraden u. a. zur Projektsteuerung eingesetzt, jedoch lässt sich erst bei einheitlichen Prozessen eine aussagekräftige Nutzung erzielen.
  • Reifegrad 5: Reifegrad 5, die „Prozessoptimierung – optimizing“ beschreibt die höchste Stufe im Modell. Der Schwerpunkt liegt hier auf der kontinuierlichen Verbesserung inklusive systematischer Auswahl sowie Einführung von Verbesserungen und der Analyse von noch bestehenden Problemstellungen.

Reifegrad und Prozessgebiet

Den Reifegraden 2 bis 5 sind jeweils eine Zahl von Prozessgebieten mit konkreten Anforderungen zugeordnet, die den gesamten Entwicklungsprozess unterstützen sollen.

Reifegrad 2 umfasst die Prozessgebiete:

  • Anforderungsmanagement (Requirements Management)
  • Projektplanung (Project Planning)
  • Projektverfolgung und -steuerung (Project Monitoring and Control)
  • Zulieferungsmanagement (Supplier Agreement Management)
  • Messung und Analyse (Measurement and Analysis)
  • Prozess- und Produkt-Qualitätssicherung (Process and Product Quality Assurance)
  • Konfigurationsmanagement (Configuration Management)

Reifegrad 3 konzentriert sich auf folgende Prozessgebiete:

  • Anforderungsentwicklung (Requirements Development)
  • Technische Umsetzung (Technical Solution)
  • Produktintegration (Product Integration)
  • Verifizierung (Verification)
  • Validierung (Validation)
  • Organisationsweite Prozessausrichtung (Organizational Process Focus)
  • Organisationsweite Prozessentwicklung (Organizational Process Definition)
  • Organisationsweite Aus- und Weiterbildung (Organizational Training)
  • Fortgeschrittenes Projektmanagement (Integrated Project Management)
  • Risikomanagement (Risk Management)
  • Entscheidungsfindung (Decision Analysis and Resolution)

Die Prozessgebiete von Reifegrad 4 im Überblick:

  • Organisationsweites Prozessfähigkeitsmanagement (Organizational Process Performance)
  • Quantitatives Projektmanagement (Quantitative Project Management)

Reifegrad 5 umfasst nachfolgende Prozessgebiete:

  • Organisationsweites Innovationsmanagement (Organizational Innovation and Deployment)
  • Ursachenanalyse und -beseitigung (Causal Analysis and Resolution)

Anwendung von CMMI in Unternehmen

CMMI lässt sich in zwei Richtungen einsetzen. Zum einen gilt der Reifegrad im CMMI-Modell als gern genutzter Benchmark für die Fähigkeiten eines Unternehmens nach außen. Zum Beispiel vergibt das amerikanische Verteidigungsministerium (Department of Defense, DoD) nur Aufträge an Organisationen mit mindestens Reifegrad 3.

Aus interner Sicht lässt sich das im Reifegradmodell steckende Wissen für die Verbesserung der eigenen Organisation verwenden. Es unterstützt die Feststellung der eigenen Stärken und Schwächen und zeigt aus, welche nächsten Schritte sinnvoll sind.

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