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Der schnellste Weg zu ITIL Version 5 hängt an Ihrer alten Bezeichnung
ITIL Version 5 ist seit einigen Monaten kein abstraktes Zukunftsthema mehr, sondern eine reale Orientierungsfrage für Service-Manager, Practice-Verantwortliche und Zertifizierungsverantwortliche. Genau an dieser Stelle entsteht gerade unnötige Reibung. Nicht weil der neue Rahmen unklar wäre, sondern weil viele Teams den Übergang noch immer wie einen linearen Neuaufbau denken: Foundation noch einmal, danach einzelne Module, irgendwann später dann die nächste Designation. Die offiziellen PeopleCert-Angaben zeichnen inzwischen ein deutlich präziseres Bild.
Für Organisationen mit laufenden ITSM-Programmen ist das mehr als eine Lernfrage. Der gewählte Übergangspfad beeinflusst Trainingsaufwand, Abwesenheitszeiten, Budget, interne Rollenplanung und die Frage, wann bestimmte Verantwortliche wieder mit einem einheitlichen Begriffs- und Praxisstand arbeiten. Wer hier pauschal einkauft, zahlt leicht doppelt. Wer den vorhandenen Zertifizierungsstand sauber liest, kann denselben Zielzustand oft deutlich direkter erreichen.
Der häufigste Denkfehler beginnt schon bei ITIL 4 Foundation
Wer bereits eine ITIL-4-Foundation-Zertifizierung hat, muss nach den offiziellen FAQ nicht zwangsläufig die neue Foundation neu absolvieren, um in höhere ITIL-Version-5-Module einzusteigen. PeopleCert beschreibt ausdrücklich, dass ITIL-4-Qualifikationen als gültige Voraussetzungen für die höheren ITIL-Version-5-Zertifizierungen anerkannt bleiben. Der oft reflexhafte Neustart über Foundation ist damit in vielen Fällen kein Pflichtschritt, sondern nur eine von mehreren Optionen.
Gleichzeitig gibt es für Foundation-Inhaber sehr wohl einen kompakten Aktualisierungspfad: die ITIL Foundation Bridge (Version 5). PeopleCert positioniert sie als schnellen, fokussierten Upgrade-Weg für ITIL-4-Zertifizierte, der nur die Änderungen auf Foundation-Ebene behandelt. Das ist sinnvoll, wenn ein Unternehmen bewusst einen gemeinsamen Sprachstand im Team herstellen will oder wenn einzelne Fachkräfte ihr Profil kurzfristig auf den neuesten Foundation-Stand anheben möchten. Es ist aber nicht dasselbe wie der beste Weg für jemanden, der ohnehin auf höhere Designationen zielt.
Praktisch heißt das: Wer nur „auf den neuesten Stand“ möchte, kann über die Bridge nachdenken. Wer dagegen mittelfristig Practice Manager, Strategic Leader oder Managing Professional aufbauen will, sollte zuerst prüfen, ob ein direkter upper-level-Pfad fachlich und wirtschaftlich mehr Sinn ergibt. Sonst landet man schnell in einer teuren Schleife aus Update-Schritt und anschließendem regulären Weiterlernen.
Der eigentliche Hebel liegt bei vorhandenen Designationen
Der operative Unterschied entsteht nicht zwischen „alt“ und „neu“, sondern zwischen Zertifikaten und vollständigen Designationen. Für Inhaber der ITIL-4-Designationen Strategic Leader oder Practice Manager ist die Aussage der offiziellen FAQ ziemlich klar: Der Upgrade-Pfad läuft über das Modul ITIL Transformation (Version 5). Wer zusätzlich auch Managing Professional ist, soll laut PeopleCert stattdessen den Managing-Professional-Transition-Pfad wählen, weil darin der relevante Transformation-Anteil bereits enthalten ist und die anderen Designationen automatisch mitgezogen werden.
Genau diese Automatik ist für Schulungsplanung wichtig. Ein Team, das den Zertifizierungsstand nur oberflächlich erhebt, könnte Strategic-Leader- und Practice-Manager-Inhaber fälschlich in unterschiedliche, unnötig lange Lernpfade schicken. Die bessere Reihenfolge beginnt daher nicht beim Kurskatalog, sondern bei einer sauberen Bestandsaufnahme: Wer hat nur einzelne Zertifikate, wer hat bereits eine Designation, und wer steht nur noch einen Schritt vor einer ITIL-4-Designation? Erst daraus ergibt sich, ob ein Abschluss in ITIL 4 noch sinnvoller ist als ein sofortiger Wechsel in Version 5.
PeopleCert sagt dazu sogar ausdrücklich, dass Kandidaten, die nur noch einen Schritt von der ITIL-4-Designation Managing Professional entfernt sind, zunächst diesen letzten ITIL-4-Schritt abschließen sollten. Danach kann der Übergang in die Version 5 über das Transition-Modul erfolgen. Das ist ein wichtiger Punkt, weil er zeigt: „Immer sofort in die neue Version springen“ ist gerade nicht die offizielle Universalempfehlung.
Wo die meiste Verwirrung entsteht: Managing Professional und Master
Am meisten Fragen löst derzeit der Managing-Professional-Pfad aus. Die FAQ und die PeopleCert-Community-Erklärung vom 13. Mai 2026 machen den Ablauf inzwischen recht deutlich: Für bestehende ITIL-4-Managing-Professionals gibt es einen strukturierten Transition-Pfad, der als ein Kurs organisiert ist, aber zwei Prüfungen umfasst. Inhaltlich bündelt er die Bereiche Product, Service und Experience und ergänzt sie um Transformation.
Genau hier liegt der Punkt, den viele intern falsch weitergeben. „Ein Kurs“ bedeutet nicht „eine Prüfung“. PeopleCert erklärt ausdrücklich, dass das Modell mit zwei getrennten Prüfungen bewusst gewählt wurde, um die Lernlast zu senken, mehr Flexibilität zu geben und keine überlange Einzelprüfung zu erzwingen. Für Lernende und Weiterbildungsbudget bedeutet das: Der Pfad ist kompakt, aber nicht trivial. Wer ihn intern nur als schnellen Ein-Tages-Wechsel kommuniziert, plant an der Realität vorbei.
Für bestehende ITIL-4-Master wird es ebenfalls konkreter. Laut FAQ und Community-Klarstellung führt der Managing-Professional-Transition-Pfad auch hier zum Ziel. Wer den Kurs absolviert und beide Prüfungen besteht, zieht damit die nötigen Version-5-Designationen nach und kann auf den Master-Status in Version 5 wechseln. Das ist weniger verwirrend, als es zunächst wirkt, aber nur dann, wenn die Organisation zwischen „Master behalten“, „Designation upgraden“ und „nur Foundation aktualisieren“ sauber unterscheidet.
Was ITSM-Verantwortliche jetzt organisatorisch daraus ableiten sollten
Für IT-Leitungen, Service-Owner und Academy-Verantwortliche ist daraus eine recht nüchterne Arbeitsliste ableitbar. Erstens lohnt sich eine Zertifizierungsinventur, die nicht nur einzelne Scheine sammelt, sondern Designationen sichtbar macht. Zweitens sollten Teams Kandidaten in drei Gruppen teilen: Foundation-Update-Bedarf, direkte upper-level-Fortsetzung und Übergang über vorhandene ITIL-4-Designationen. Drittens braucht die Kommunikation intern klare Sprache: Bridge, Transformation und Managing-Professional-Transition sind keine austauschbaren Begriffe.
Ebenso wichtig ist die Budgetlogik. Wer heute vorschnell flächendeckend Bridge-Kurse einkauft, obwohl ein Teil der Zielgruppe kurz vor einer Designation steht oder direkt in Version-5-Module einsteigen könnte, erzeugt zusätzliche Kosten ohne proportionalen Nutzen. Umgekehrt wäre es falsch, allen nur den schnellsten Pfad zu verordnen. Für operative Service-Rollen kann ein kompakter Foundation-Refresh ausreichend sein, während für Governance-, Practice- oder Leadership-Rollen der eigentliche Mehrwert erst in den höheren Modulen liegt.
Ein letzter Punkt wird leicht übersehen: PeopleCert stellt klar, dass ITIL 4 und ITIL Version 5 für eine Übergangszeit parallel laufen. Das reduziert den Zeitdruck, erhöht aber paradoxerweise die organisatorische Komplexität. Unternehmen müssen jetzt nicht hektisch alles umstellen. Sie müssen aber entscheiden, wie lange sie zwei Sprachstände, zwei Lernlogiken und unterschiedliche Planungsannahmen gleichzeitig tolerieren wollen. Genau diese Steuerungsfrage gehört ins ITSM-Weiterbildungsprogramm, nicht nur in die persönliche Zertifikatsplanung einzelner Mitarbeitender.
Unterm Strich ist die Lage heute klarer als noch vor wenigen Wochen: Der schnellste Weg hängt eben nicht an allgemeinem Fleiß, sondern am vorhandenen Status. Wer die alte Bezeichnung sauber liest, vermeidet unnötige Schleifen und kommt geordneter in ITIL Version 5 an.
