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Kurz gesagt: Der EU AI Act ist das europäische Regelwerk für künstliche Intelligenz. Er soll Risiken von KI-Systemen einordnen, Verantwortlichkeiten schaffen und den sicheren Einsatz in Organisationen fördern. Eine seiner praktischen Folgen ist die Pflicht zur KI-Kompetenz: Menschen, die mit KI-Systemen umgehen, sollen deren Möglichkeiten, Grenzen und Risiken ausreichend verstehen. Für ITSM und IT-Management ist das kein reines Rechtsthema, sondern ein Betriebsprozess rund um Schulung, Rollen, Freigaben und Support.
KI-Schulungen wirken auf den ersten Blick wie ein klassisches Compliance-Thema. Ein Kurs wird gebucht, ein Nachweis wird abgelegt, eine Liste wandert in die Personalakte. Für den laufenden IT-Betrieb reicht das aber nicht. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob jemand eine Folie über künstliche Intelligenz gesehen hat. Entscheidend ist, ob Mitarbeiter im Alltag wissen, was sie mit einem KI-Werkzeug entscheiden dürfen, wann ein Mensch prüfen muss und wann ein Vorgang gar nicht in die KI gehört.
Ein Schulungsnachweis löst noch kein Betriebsproblem
Der EU AI Act beschreibt in Artikel 4, dass Anbieter und Betreiber von KI-Systemen Maßnahmen ergreifen sollen, damit ihr Personal und andere betroffene Personen über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Die Europäische Kommission erklärt den AI Act als risikobasierten Rahmen für den sicheren und vertrauenswürdigen Einsatz von KI. Für Unternehmen bedeutet das: Schulung ist nicht nur ein HR-Termin. Sie muss zur tatsächlichen Nutzung passen.
Ein Service Desk, der KI für Antwortvorschläge nutzt, braucht andere Kompetenz als ein Managementteam, das KI-Auswertungen für Priorisierungen liest. Ein Entwicklerteam mit Code-Assistenten braucht andere Grenzen als eine Fachabteilung, die Texte zusammenfassen lässt. Wer alle Gruppen mit derselben Standardschulung abspeist, schafft zwar einen Nachweis, aber keine belastbare Orientierung für echte Entscheidungen.
Der Alltag entscheidet über die richtige Tiefe
KI-Kompetenz wird greifbar, wenn sie an konkrete Arbeitssituationen gebunden ist. Darf ein Servicemitarbeiter eine KI-Antwort ungeprüft an einen Nutzer senden? Darf ein Team interne Störungstickets in ein externes Tool kopieren? Muss ein KI-Vorschlag gekennzeichnet werden? Wer prüft eine Empfehlung, wenn sie Auswirkungen auf Priorität, Zugriff oder Kosten hat?
Solche Fragen gehören nicht in einen abstrakten Ethikblock am Ende der Schulung. Sie gehören in die Betriebsanweisung, in den Servicekatalog und in die Arbeitsabläufe der betroffenen Teams. Mitarbeiter müssen erkennen, ob eine KI nur formuliert, sortiert, empfiehlt oder praktisch eine Entscheidung vorbereitet. Je näher ein System an Kunden, Mitarbeitenden, personenbezogenen Daten, Sicherheit oder Betriebskritik kommt, desto klarer müssen die Grenzen sein.
ITSM muss Rollen und Freigaben übersetzen
Für ITSM-Teams entsteht daraus eine Führungsaufgabe. Sie müssen nicht das gesamte KI-Recht erklären, aber sie müssen den Einsatz so ordnen, dass Anwender ihn sicher nutzen können. Dazu gehören Rollen: Wer ist fachlich verantwortlich? Wer betreibt das Tool? Wer darf Prompts, Datenquellen oder Automatisierungen ändern? Wer entscheidet, ob ein KI-Ergebnis in einen Kundenprozess einfließt?
Besonders kritisch sind Übergänge. Eine KI, die nur einen Textentwurf erstellt, hat ein anderes Risiko als eine KI, die Ticketkategorien vergibt, Prioritäten vorschlägt oder Zugriffsanfragen vorbereitet. Der Schritt vom Helfer zum Entscheidungsbaustein muss sichtbar sein. Genau dort braucht es Freigaben, Stichproben, Eskalationswege und klare Dokumentation.
Der Service Desk braucht einfache Prüffragen
KI-Kompetenz muss im Supportalltag schnell abrufbar sein. Der Service Desk braucht deshalb einfache Prüffragen statt langer Grundsatzpapiere. Enthält die Anfrage personenbezogene oder vertrauliche Daten? Kann das Ergebnis direkt eine Entscheidung beeinflussen? Gibt es eine fachliche Quelle, gegen die der Vorschlag geprüft werden kann? Ist der Nutzer über KI-Unterstützung zu informieren? Gibt es einen sicheren Alternativweg, wenn die KI unsicher wirkt?
Solche Fragen helfen auch bei Störungen. Wenn eine KI falsche Antworten liefert, muss klar sein, ob das ein Toolfehler, ein Datenproblem, ein Promptproblem oder ein Prozessproblem ist. Ohne diese Unterscheidung landet der Vorfall schnell zwischen Datenschutz, Security, Fachbereich und IT-Betrieb. Mit klaren Prüfpunkten wird aus einem diffusen KI-Verdacht ein bearbeitbares Ticket.
Was jetzt in den Betriebsplan gehört
- Nutzungsinventar: Welche KI-Werkzeuge sind im Einsatz, wer nutzt sie und in welchen Prozessen tauchen ihre Ergebnisse auf?
- Rollenspezifische Schulung: Service Desk, Fachbereich, Management, Entwicklung und Administration brauchen unterschiedliche Beispiele und Grenzen.
- Entscheidungsgrenzen: Klar festlegen, welche KI-Ergebnisse nur Entwürfe sind und welche vor Nutzung geprüft oder freigegeben werden müssen.
- Datenregeln: Verständlich beschreiben, welche Informationen nicht in bestimmte KI-Werkzeuge eingegeben werden dürfen.
- Kontrolle im Betrieb: Stichproben, Fehlermeldungen, Eskalationswege und Aktualisierung der Schulung fest in den Serviceprozess einbauen.
Die neue Pflicht zur KI-Kompetenz sollte deshalb nicht als zusätzlicher Schulungstermin abgelegt werden. Sie ist eine Gelegenheit, den KI-Einsatz betrieblich sauber zu machen. Wer Mitarbeitern klare Entscheidungsgrenzen gibt, schützt nicht nur Compliance. Er reduziert Supportchaos, Fehlentscheidungen und riskante Abkürzungen im Alltag.
Quellen: EU AI Act Artikel 4 zur KI-Kompetenz, Europäische Kommission zum risikobasierten KI-Rechtsrahmen, Artificial Intelligence Act Übersicht. Stand der Quellenprüfung: 12.06.2026.
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